Halo – Die alternative, langweilige Realität zu den Videospielen. Review

Im 26. Jahrhunderts lebt die Menschheit auf vielen verschiedenen Planeten, angeführt wird sie von einer Art Militärdiktatur des UNSC. Deren Elitesoldaten sind die Spartans, die entschlossen der großen Alienbedrohung entgegentreten. Die sogenannten „Covenant” bilden die Speerspitze der Aliens und wollen die Menschheit unterjochen. Dabei könnte ihnen der sogenannte „Halo” helfen, ein mysteriöser (Planeten-)Ring, den Menschen und Aliens gleichermaßen für sich beanspruchen. Der krasseste aller Spartans, der Supersoldat Masterchief (Pablo Schreiber), begibt sich auf eine Mission. 

So oder so ähnlich könnte die Story sogar spannend verlaufen, doch leider entscheidet man sich schnell von der Geschichte der Spiele abzuweichen und den Masterchief in eine Sinnkrise zu stürzen. Denn während der Chief in den Spielen die gefühllose, superstarke Killermaschine ist (den man spielt), weil er als Kind von seinen Eltern entführt wurde und seitdem zu genau dieser Art von Soldat ausgebildet wurde, hat er hier einen Chip im Rücken hängen, der seine Gefühle unterdrückt. Kurzerhand entfernt er den (was niemanden stört) und erforscht seine Vergangenheit. Später in Staffel 1 geht es dann endlich um den Halo, allerdings verborgen unter einigen langweiligen Nebenhandlungssträngen. In Staffel 2 stehen interne Querelen im Mittelpunkt, der Masterchief bekommt seine Rüstung abgenommen und ist in etwa 7h Laufzeit vielleicht eine halbe Stunde in Rüstung zu sehen. Zum Vergleich: In den Spielen legt er seine Rüstung nie ab.

Ich habe mich schon lange nicht mehr so durch eine Serie durchquälen müssen. Die Serie hat kein Bewusstsein dafür, was die Spiele so beliebt gemacht hat. Sie sieht speziell in Staffel 1 schwach aus (das wird in Staffel 2 besser, auch durch ein überfälliges Redesign von Cortana), sie dreht den Charakter des beliebten Masterchief vollkommen unnötig durch die Mangel. Es drängt sich der Verdacht auf, dass – ähnlich zu der „The Witcher”-Serie – die Drehbuchschreiber keine großen Fans der Spiele waren, sondern die Welt nur als Vehikel sahen, um ihre eigenen, langweiligen Storys zu erzählen. Doch auch das gelingt nicht, man bricht lieber den altbekannten Kanon. Ich frage mich, warum man nicht komplett neue Charaktere nimmt und deren Geschichte in der Welt von Halo erzählt. So macht es beispielsweise „Fallout” ziemlich erfolgreich. Warum muss man krampfhaft den Masterchief verwenden, wenn man ihn komplett „falsch” darstellt? Will man die Fans verprellen?

Immerhin kann man dem audiovisuellen Bereich die Mühe nicht absprechen, sie versuchen den Geist der Games zu bewahren. Einige Moves aus den Spielen sind dabei, die Soundeffekte sind akkurat, die Waffen sehen cool aus und die bekannte Musik wird treffend eingesetzt. Zudem sehen einige Actionchoreographien ganz gut aus, auch wenn die Bewegungen der CGI-Figuren manchmal sehr abgehackt wirken. Dennoch kommt bei der Serie tatsächlich ab und an Freude auf, wenn der Masterchief sich mit seinem Team oder allein in den Kampf gegen die Aliens stürzt und das passend inszeniert wird. Endlich bekommt man das, was im Spiel die ganze Zeit lang passiert. Doch leider kommt das innerhalb der 17 Folgen etwa dreimal in größeren Kampfsequenzen vor. Das kann kaum der Ernst der Schöpfer sein.

Die „Halo”-Serie ist enttäuschend. Was ich nicht verstehe: Wenn man schon den Masterchief zwanghaft vermenschlicht und ständig ohne seine Rüstung zeigen will, warum castet man dann nicht einen besseren, bekannteren Schauspieler als Pablo Schreiber? Nichts gegen ihn, aber bei „The Mandalorian” nimmt der Held den Helm deutlich seltener ab, darunter steckt aber Pedro Pascal. Bei „Halo” ist kein Schauspieler gut, generell ist es erstaunlich, dass man Budgetlimitierungen bei einer so großen Marke ständig spürt. Die 2. Staffel beendet die Serie letztlich mitten in der Geschichte. Ich bin darüber aber nicht traurig, sondern froh, dass es vorbei ist. Nur ein Reboot hätte diese Serie retten können.

Was mich frustriert zurücklässt, ist, dass die Serie so viel mehr Potenzial hat. Einige Sequenzen sind wirklich gut, der audiovisuelle Teil ist durchweg gelungen und schlägt die Brücke zu den Spielen gekonnt. Leider sind die Änderungen alle zum Schlechten und die ganzen Nebenfiguren uninteressant. Fans der „Halo”-Spiele machen einen großen Bogen um die Serie, Fans von Sci-Fi-Serien ohne Berührungspunkte könnten zumindest theoretisch einen Blick hineinwagen. Man versucht sich an „The Expanse” zu orientieren, erreicht aber nie diese Qualität. Somit kann ich keine Empfehlung aussprechen. Das Schlimmste: Es ist nicht mal amüsant kacke, sondern in der Mitte der Staffeln stets langweilig und frustrierend, weil man ständig denkt, wie viel besser das doch alles sein könnte.

68/100
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