„Waco” ist eine Dokudrama-Miniserie, die sich mit der Belagerung einer Sekte durch das FBI im Jahr 1993 in Texas befasst. Die Serie schildert die damaligen realen Ereignisse und erzählt die Geschichte sowohl von innerhalb der Sekte als auch aus der Perspektive der Verhandlungsführer des FBIs. Anfangs fühlt sich alles nach einer klassischen Erzählung über Sekten rund um einen verrückten Anführer an, der angeblich mit Gott redet und seine Gefolgsleute indoktriniert hat. Doch im Verlauf geraten die Methoden der Behörden ins Visier.
Die 6-teilige Miniserie nimmt sich anfangs kurz Zeit die Vorgeschichte zu präsentieren, bevor in der 3. Episode die Belagerung beginnt. Die Sekte (Branch Davidians) lebt in ihrem Anwesen mit ihren Kindern unter der Leitung von David Koresh (Taylor Kitsch), ihrem Messias, dem sie treu ergeben sind. Koresh zeugt mit den Frauen (und Jugendlichen) mehrere Kinder und frönt der Polyamorie, während er von seinen Leuten sexuelle Enthaltsamkeit und absoluten Gehorsam einfordert. Aussteiger bringen zunächst das Jugendamt (wegen Kindesmisshandlung) und dann auch das ATF (Behörde für Schusswaffen) auf die Spur der Sekte, die sich illegal bewaffnet, weil sie theologisch von großen Konflikten ausgehen. Nach einem fehlgeleiteten Zugriff übernimmt das FBI die Führung. Der erfahrene Verhandlungsführer Gary Noesner (Michael Shannon) erzielt schnell erste Erfolge. Doch seinen Vorgesetzten geht alles nicht schnell genug, sie drängen mehr in Richtung einer Eskalation.
„Waco” ist ein inszenatorisch solides Dokudrama, das von guten Leistungen der Darsteller und einer schockierenden Geschichte lebt. Ich wusste zuvor nichts von der Handlung und war dementsprechend überrascht, dass es sich um keine klassische Sektengeschichte handelt, sondern um die Erzählung einer Belagerung aus vielen verschiedenen Perspektiven. In den ersten beiden Episoden wird demnach Exposition betrieben, aber spätestens ab Folge 3 nimmt die Handlung spürbar an Fahrt auf und bleibt bis zum Ende spannend und interessant. Im Verlauf kann die Stimmung kippen, wenn die Entscheider des FBIs auf einmal verrückter wirken, als der Sektenführer, der behauptet, mit Gott zu sprechen. Diese Ambivalenz gefiel mir sehr gut. Am Ende bleiben ein paar Zweifel, ob die damaligen Ereignisse in der Serie wirklich realistisch dargestellt wurden, plausibel erscheint es aber komplett.
„Waco” ist eine kurzweilige und interessante Miniserie, die auf wahren Ereignissen basiert und ein erschreckendes Ereignis ins Zentrum stellt. Fans von Dokudrama, die wütend machen und einen ungläubig zurücklassen, und True-Crime-Fans kommen dabei auf ihre Kosten.



