Off Campus – Von Booktok zur Amazon Romanze. Review Staffel 1

„Off Campus” ist eine Drama-Romance-Serie, die als romantic comedy beginnt und später auch düstere Themen behandelt, wobei der Kitsch nie zu kurz kommt. Die Serie basiert auf der gleichnamigen, auf Social Media beliebten Romanreihe. „Booktok”-Romanzen für „New Adults” mit „Spice” werden mit dieser Amazon-Serie auf die Bildschirme transportiert. Wer das nicht verstanden hat: Die Serie richtet sich an junge Erwachsene und ist permanent sexuell aufgeladen.

Alles beginnt mit einer Idee, die es auch in eine romantische Komödie aus den 2000ern hätte schaffen können. In ihrem ersten Studienjahr an der Uni schmachtet Hannah (Ella Bright) einen Typen in einer Band an, der aber keine Augen für sie zu haben scheint. Eishockeyspieler Garrett (Belmont Cameli) braucht Nachhilfe und nähert sich deshalb Hannah an. Die beiden schließen einen Deal ab. Eine Fake-Beziehung um den Musiktypen eifersüchtig zu machen und damit sich Garrett Noten verbessern, so dass er weiter Eishockey spielen darf. Wenig überraschend entwickeln sich daraus aber natürlich echte Gefühle. Neben dieser zentralen Romanze liefert das große Ensemble noch weitere Liebesbeziehungen, Freundschaften und zahlreiche familiäre Probleme. Denn nach dem locker leichten Beginn sind für später Triggerwarnungen angebracht. Es geht um Gewalt gegen Frauen und eine Vergewaltigung. 

Das Genre ist klar: Romanze mit jungen Erwachsenen. Doch auch Elemente des Sportfilms durch die Eishockey-Sequenzen und des Musikfilms, durch die vielen Songs und den Auftritt am Ende, werden dem Mix hinzugefügt. Auch das Coming-of-Age Drama kommt nie zu kurz. Viele Charaktere müssen sich noch selbst finden, auch wenn sie einen Ticken älter als in den klassischen High School Serien sind. Die Produktion ist gut, die Darsteller sind in Ordnung, aber nie besser als solide und schauspielern manchmal arg klischeehaft. Seltsam ist die Freizügigkeit zu Beginn, die im Verlauf der Serie wieder einkassiert wird. Das Erzähltempo ist relativ hoch, Langeweile kommt nur selten auf – nur, wenn sich in wenig relevanten Nebenhandlungssträngen verfangen wird. Komisch ist, dass die 8-teilige 1. Staffel mitten in der Handlung aufhört, aber es gibt noch mindestens vier weitere Bücher, die man verfilmen kann.

Doch wie gefiel mir letztlich dieses kitschige Werk, das mit zahlreichen Stereotypen und Klischees arbeitet? Positiv ist, dass die Serie jederzeit weiß, dass sie Kitsch ist und offen mit ihren formelhaften Schablonen kokettiert. Obwohl vieles recht konstruiert und absurd wirkt, ist die Serie sympathischer und authentischer als viele Romcoms vergangener Tage. Komplett echt wirkt das alles nicht, aber die Figuren sind nicht naiv, sondern selbstreflektiert und brechen den Kitsch durch originelle Kommentare stets auf. Man ist sich den Stärken und Schwächen des Genres bewusst und versucht sich auf das Gute zu konzentrieren. Ich empfinde es als durchaus mutig, auch schwierigere Themen nahtlos in eine solche Handlung einzufügen und auch hier und da eine gesellschaftskritische oder beobachtende Szene einzustreuen. Zeitweise liegt der Fokus so sehr auf Sex, dass man der Serie eine Erotikkomponente kaum absprechen kann. Der Vorwurf des „Soft Porn” geht aber zu weit, auch weil die Serie dafür zu zahm ist – außer für die Leute, bei denen der Anblick eines Sextoys schon Schnappatmung auslöst.

„Off Campus” ist genau das, was es sein möchte. Und offenbar gab es für diese Romanze in Buchform ein großes Publikum. Mir gefiel die Serie besser als Standard-Romanzen, aber sicherlich nicht so gut wie Genreprimus „Normal People”. Fairerweise muss man sagen, dass es sich dabei nicht um mein favorisiertes Genre handelt. Deshalb war ich überwiegend nur einigermaßen unterhalten, aber auch neugierig, wie die Zukunft des Genres und solche Adaptionen aussehen können. Junge Erwachsene, speziell die Buchleser, können damit ihren Spaß haben, ich bin gespannt, ob die Serie darüber hinaus ein größeres Publikum findet.

76/100
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