„Brand New Cherry Flavor” ist ein äußerst eigenwilliges Horror-Rachedrama mit übernatürlichen Elementen, angesiedelt in der Filmbranche in Los Angeles in den 90er Jahren. Eine aufstrebende Filmemacherin macht einen Deal mit einem bekannten Filmproduzenten. Doch der betrügt sie, wodurch sie den Pfad der Rache einschlägt und dabei auf die Hilfe einer Hexe zurückgreift, die ihn verfluchen will. Dass die Protagonistin ständig Katzenbabys auskotzt, ist nur der Anfang eines ganz absurden Trips, bei dem man entweder irgendwann aussteigt oder sich anschnallt und die verrückte Reise bis zum Ende mitgeht.
Die 8-teilige Miniserie basiert auf dem gleichnamigen Roman. Lisa Nova (Rosa Salazar) hat in Los Angeles ein Gespräch mit einem bekannten Filmproduzenten, der von ihrem verstörenden Horror-Kurzfilm begeistert ist. Darin sieht er etwas Besonderes und möchte eine Langzeitadaption drehen. Doch als Lisa seine sexuellen Avancen ablehnt, entscheidet er sich, ihr den Film wegzunehmen und einen anderen Regisseur zu besetzen. Lisa ist völlig verzweifelt und landet bei einer seltsamen Frau, die verspricht den Betrüger zu bestrafen. Dafür muss Lisa nicht nur Zutaten wie seine Schamhaare beisammen suchen, sondern auch einen Haufen ekelhafter Dinge essen und trinken, die sie auf ganz üble und schaurige schlechte Drogentrips führt. Das ist nur der Anfang einer Story, die immer weiter ins Absurde eskaliert. Irgendwann geht es um Magie, Zombies, wachsende Körperteile, Körperwandler und mehr verrückten Kram. Dabei muss sich Lisa auch mit den Dämonen ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.
Visuell und inszenatorisch ist „Brand New Cherry Flavor” eine Wucht. Die Kulissen & Requisiten sind großartig, die Lichtstimmung ist faszinierend, die Kameraeinstellungen sind kreativ, die digitalen und physischen Horror- und Splattereffekte können überzeugen – besonders das „Wackelmonster” gefiel mir sehr gut. Auch der Einsatz von Popmusik ist sehr gelungen. Das Erzähltempo ist durchaus hoch, es passiert viel innerhalb der Episoden und man muss sehr viel akzeptieren, um nicht den Spaß an der Story zu verlieren. Mir war das an einigen Stellen einfach zu blöd, was mich immer wieder herausriss. Ständig wird man mit neuen Realitäten aus dem Reich der Magie konfrontiert. Etwas weniger Absurdität (looking at you „Sexszene” in Episode 4) würde helfen, um kein zu großes Kopfschütteln hervorzurufen und damit eine Distanz aufzubauen. Zudem hilft nicht, dass die Schauspieler zum Teil hemmungslos overacten. Rosa Salazar ist zwar zu Beginn stark, aber wenn sie eine Verfluchung oder eine Vergiftung spielen muss, dann ist das nicht mehr so überzeugend. Dennoch bleibt sie die stärkste Darstellerin in einem Ensemble, das häufiger (unfreiwillig?) komische Momente heraufbeschwört. Die Zombies sind dabei am schlimmsten. Später gibt es auch offensichtlich gewollte Comedymomente und zahlreiche Ekelszenen, die mich nicht für sich gewinnen konnten.
Zusammenfassend ist es schwer „Brand New Cherry Flavor” etwas vorzuwerfen. Denn inszenatorisch gelingt sie auf allen Ebenen und ist vermutlich genau das Werk geworden, was sich die Macher vorstellten. Letztlich scheiden sich die Geister am Inhalt. Manchen wird diese fluchhaltige Horrorgeschichte mit Magie, Zombies, Blutschwüren und Monstern zu quatschig sein, bei anderen könnte diese ungeahnte Melange voll ins Schwarze treffen. Ich gehöre leider zur ersten Gruppe. Mir gefiel der Start, als es sich um eine Rachegeschichte handelte, bei der nicht klar war, ob es Flüche gibt oder nicht, deutlich besser als das Übernatürliche danach. Aber das ist Geschmackssache.
Deshalb ist die Miniserie für alle empfehlenswert, die im übernatürlichen Horrorbereich eine frische, absurde und eigenartige Geschichte sehen wollen. Alle anderen wird die Geschichte wohl ab einem gewissen Punkt nicht mehr mitreißen können. Allgemeintauglich ist die Serie sicher nicht, aber in der Nische kann sie gut funktionieren. Für mich tat sie es aber leider nicht. Auch, weil ich das Ende nicht mochte.



