Darwin’s Incident – Anime-Gesellschaftskritik mit Terror und Tierrechten. Review Staffel 1

„Darwin’s Incident” ist eine mutige Animeserie, die mit einer hochinteressanten Prämisse beginnt und dann schnell zu einer Gesellschaftskritik mutiert. Im Zentrum steht „Humanzee” Charlie, eine Kreuzung aus Mensch und Schimpanse, der eigentlich nur normal unter den Menschen leben möchte. Doch eine Terrororganisation, die vorgibt für Tierwohl zu kämpfen, mordet und versucht, Charlie als ihren Anführer zu gewinnen. Diese ungewollte Verknüpfung wird von den Medien ausgeschlachtet, wodurch Charlie zur Zielscheibe wird und viele Fake News zu ihm kursieren.

Die Animeserie, die auf dem gleichnamigen noch laufenden Manga basiert, versucht einen ganzen Haufen von aktuellen Themen und Problemen unter einen Hut zu bekommen und übt dabei deutliche Gesellschaftskritik. Sie richtet sich sehr deutlich an Erwachsene. Zunächst erinnert die Handlung fast an eine unbeschwerte High School-Serie. Charlie muss sich an der Schule zurechtfinden, wobei er natürlich der Außenseiter, aber auch auf eine Freundin trifft und zum ersten Mal seine Kräfte demonstriert. Danach versucht sich die Serie kurzzeitig an philosophischen Fragen und verbaut darin auch das Veganismus-Thema. Dann stehen die Terrorgruppe und ein brutal heftiger Terroranschlag, für den man eine Triggerwarnung aussprechen muss (Amoklauf) im Vordergrund. Auch Vorverurteilungen und falsche Gerüchte, die einen Mob zu Gewalt aufrufen, werden thematisiert. Tierrechte, Gesetze und die Frage nach der Rechtslage rund um Charlie werden ebenso verhandelt. In „Darwin’s Incident” steckt damit eine ganze Reihe von Themen, die allerdings mal besser und mal schlechter beleuchtet werden. Manches wirkt oberflächlich, einige Charaktere verkörpern ausschließlich Stereotype, um bestimmte Inhalte in den Mittelpunkt zu rücken. Auch die direkte Verknüpfung von Veganismus und Terrorismus wirkt auf den ersten Blick recht absurd, wird aber gut durch eine Mobmentalität mit gelebten Hexenjagden unterfüttert. Die Serie wirkt in ihren guten Momenten dystopisch und in ihren schlechten unglaubwürdig.

Insgesamt empfand ich die fehlende Vorhersehbarkeit als eine große Stärke von „Darwin’s Incident. Ich hätte zu Beginn niemals erwartet, dass sich alles so entwickelt und so viele Themen angeschnitten werden. Manchmal hätte ich mir mehr Konzentration auf weniger Inhalte gewünscht, wodurch mehr Raum zur Entfaltung möglich gewesen wäre. Aber letztlich muss man das bewerten, was man bekommt und nicht das, was hätte sein können. Dabei kam mir die Logik hinter den Aktionen der Terrororganisation zu kurz. Bis zum Ende habe ich ihren großen Plan nicht vollends nachvollziehen können. Warum sie bestimmte Dinge taten und was sie sich davon genau versprachen, wurde leider nicht wirklich erklärt.

Der Zeichenstil ist hübsch, die Actionsequenzen sind ansehnlich. Das schwankende Erzähltempo ist etwas seltsam. Nach einem recht ruhigen Beginn gibt es die wirklich krassen Folgen (à 25 Minuten) in der Mitte der 13-teiligen 1. Staffel, das Ende trudelt etwas aus und wird zum Cliffhanger für eine neue Bedrohung. Selten hat mich eine Handlungsstrang (Amok) so überrascht, eine solch fiese Inszenierung innerhalb eines Anime hätte ich nicht erwartet und presste mich vor Spannung und Ekel in den Sitz. Die beiden Episoden saßen wie ein tiefer Schlag in die Magengrube. Auch die Actionsequenz in Folge 10 ist überzeugend.

„Darwin’s Incident” ist eine hochpolitische Animeserie, die auch vor knallharten Themen keinesfalls zurückschreckt. Dabei ist sie manchmal allerdings etwas zu oberflächlich und das Erzähltempo wirkt etwas seltsam. Dennoch möchte ich den Mut der Serie loben und sie vorsichtig für Leute empfehlen, die in ihrem Anime mal etwas ganz Anderes sehen wollen. Nicht alles davon glänzt, aber man wird überrascht. Ich bin hooked und freue mich auf weitere Folgen.

77/100
Total Score
Nach oben scrollen