„Bait” ist eine Meta-Satire über einen erfolglosen britischen Schauspieler pakistanischer Herkunft, der für die Rolle des James Bond vorspricht. Durch dieses (zunächst wenig erfolgreiche) Casting gerät sein Leben völlig aus den Fugen und schickt ihn auf einen Selbstfindungstrip, auf dem er mit einem Schweinekopf redet und dabei durch verschiedene Genres stolpert.
Ein starker Riz Ahmed trägt die Serie auf seinen Schultern, ein paar gute Gastauftritte amüsieren. Nach dem gescheiterten Versuch beim Casting, hat seine Figur Shah nur noch eine verzweifelte Idee relevant zu bleiben. Er liefert sich den Paparazzi aus, um so Gerüchte zu erzeugen, dass er der nächste James Bond werden könnte. Zunächst genießt er die Anerkennung, aber schnell wird er von ablehnenden Online-Kommentaren eingeholt und ein Schweinekopf wird durch das Fenster seiner Familie als Drohung geworfen. Diese plötzliche Popularität zwingt ihn dazu sich mit seiner eigenen Identität als Sohn pakistanischer Einwanderer zu befassen. Dabei bemerkt er, dass er sich auf Wunsch wie ein Chamäleon verändert und für beide Seiten ein Bindeglied ist, ohne sich irgendwo zuhause zu fühlen. Eine große Eid Mubarak-Feier, ein Trip mit der Exfreundin und eine mutmaßliche Entführung sollen ihm dabei helfen sich selbst zu finden.
Der aufgedrückte „Comedy”-Stempel ist für die Serie nicht zuträglich. Denn stattdessen handelt es sich um ein klassisches Drama, das als Meta-Satire funktioniert. Die Idee das Bond-Casting so prominent in einer Handlung zu verwenden, ist brillant. Leider ist der Culture Clash und die Frage nach der Identität zu Beginn etwas arg klassisch gehalten und fügt kaum Neues hinzu. Auch die Buddy-Comedy konnte für mich nicht so recht greifen. Außerdem ist Shah speziell anfangs wirklich keine sympathische Figur, was den Einstieg erschwert. Ich konnte mit der zweiten Hälfte, die immer absurder wurde, besser connecten. Eine starke Plansequenz leitet in Episode 4 eine Roadmovie-Nacht ein, in der eine alte Liebe verhandelt wird. Folge 5 ist wie ein Actionfilm inszeniert. Natürlich ist auch vorher in Folge 3 der Bollywood-Exkurs großartig, aber die Nebenhandlung von Online Hatern und Entschuldigungsvideos empfand ich als zu oberflächlich.
Die nur 6-teilige, insgesamt nicht mal dreistündige, Miniserie „Bait” verhandelt die Frage nach der eigenen Identität durchaus gekonnt, bot mir darin aber zu wenig Neues. Doch die Reise durch die verschiedenen Genres, die stark inszeniert und von einer gekonnten Kameraarbeit begleitet ist, holte mich besser ab. Insofern ist „Bait” nicht der große Wurf geworden, aber in seiner Meta-Satire durchaus gelungen. Am besten kann man sich bei einer solchen Kürze aber an einem oder zwei Abenden selbst eine Meinung dazu bilden.



