10 Jahre nach der 1. Staffel geht die Agententhrillerserie „The Night Manager” in die nächste Runde. Die Fortsetzung basiert nicht mehr direkt auf einer Romanvorlage, stattdessen wurde die Geschichte für die Serie weitergestrickt und auch innerhalb der Handlung sind 9 Jahre vergangen. Aus der Geschichte soll nun eine Trilogie werden, eine 3. Staffel soll bereits 2027 folgen. Lohnt sich der Wiedereinstieg nach 10 Jahren? Absolut, die Klasse, die Atmosphäre und die Bond-Vibes sind weiterhin spürbar, sowie leider auch ein paar kleinere Drehbuchprobleme.
Zu Beginn möchte ich auf das Review der 1. Staffel, bzw. die Gesamtübersicht verweisen. In diesem Beitrag beschäftige ich mich ausführlicher mit Staffel 2. Für Fans des Agententhrillers lohnen sich beide Staffeln.
Jonathan Pine (Tom Hiddleston) arbeitet immer noch beim MI6 als Leiter eines Teams der „Night Owls“, einer reinen Überwachungsgruppe. Doch recht schnell holt ihn die Vergangenheit wieder ein, die ihn ohnehin nie losließ. Er träumt weiterhin von damals und seinem großen Feind Richard Roper (Hugh Laurie), der allerdings von seiner Kollegin Angela Burr (Olivia Colman) als tot identifiziert wurde. Bei einer Operation in London entdeckt er einen alten Mitarbeiter seines großen Gegenspielers, die Verfolgung der Zielperson führt ihn zum Sohn seines Ex-Rivalen nach Kolumbien. Pine möchte sich in den Waffenhändlerring des Zöglings einschleusen, wofür ihm nach einigen Fehlern in Folge 1 nur ein kleines Team zur Verfügung steht. In Kolumbien lauern größere Verschwörungen, Twists und Enthüllungen rund um den britischen Geheimdienst und die Vergangenheit an jeder Ecke.
Die Fortsetzung gelingt mit Staffel 2. Dieselbe Agenten-Atmosphäre, die von viel Spannung und Risikofreude der Hauptfigur geprägt ist, stellt sich bereits früh wieder ein. Das Erzähltempo zieht spätestens zum Ende der 3. Folge spürbar an, doch auch zuvor gelingt ein guter Spannungsaufbau rund um einen liebgewonnenen Spion, der stets Gefahr läuft, enttarnt zu werden. Danach dominieren teils exquisite Konfrontationen, Gespräche und die Action. Einige Charaktere schwenken vielleicht etwas zu schnell um, manchmal muss der Zufall zu sehr aushelfen und das Ende ist ultimativ etwas unbefriedigend, weil der Konflikt zwar gut zugespitzt, aber doch mit Blick auf eine (dann hoffentlich finale) 3. Staffel vertagt wird.
Man könnte kritisieren, dass die Serie sich in vielen Aspekten selbst kopiert. Die neuerliche Infiltration folgt den bekannten Spuren mit einem etwas verrückten und über Grenzen gehenden Sohn des Ex-Rivalen (Diego Calva) und einer Femme Fatale (Camila Morrone), die irgendwie als Doppelagentin fungiert. Das ist vielleicht etwas einfallslos, aber es funktioniert weiterhin. Danach könnte man sich die Frage stellen, wie logisch und vernünftig die Handlung voranschreitet, ultimativ hilft diese Entscheidung der Serie aber stark, ich bekam Gänsehaut und war fortan (ab Folge 4) sehr gespannt und verfolgte das Geschehen gebannt.
Zusammenfassend ist Staffel 2 von „The Night Manager“ eine gelungene Fortsetzung, die sich nicht neu erfindet, sondern stattdessen das Altbekannte neu zusammenstellt und weiterführt. Das Niveau in Sachen Produktion, Inszenierung und Locations ist weiterhin sehr hoch, die Darsteller sind erneut stark (auch wenn Olivia Colman leider nur selten zu sehen ist). Ich bin gespannt, wie Staffel 3 die Trilogie beendet und möchte die 2. Staffel aller Fans der 1. empfehlen. Fans von Agenten/Spionage-Plots, schön aufgebauten Rivalitäten und James Bond, die die Serie noch nicht kennen, können sofort beide Staffeln nachholen und werden vermutlich nicht enttäuscht werden.



