House of Guinness – Peaky Blinders trifft Bridgerton? Review Staffel 1

„House of Guinness” ist eine auf realen Ereignissen basierende Historiendrama-Serie über die vier erwachsenen Kinder von Benjamin Guinness und wie sie mit ihrem Erbe, bzw. anteilig dem ausbleibenden Erbe, nach seinem Tod im Jahr 1868 umgehen. Wohlwollende Kritiken sprechen von einem Mix aus den Qualitätsserien „Succession” (wegen Thronfolge und Familiendrama) und „Peaky Blinders” (weil Schöpfer Steven Knight auch für diese Serie verantwortlich war). Für mich hat sich „Peaky Blinders” mit einem abgestandenen Bier und viel „Bridgerton” verbunden, denn leider geht es primär um Liebschaften. Ein größerer Fokus auf die Expansion und das Unternehmen bleibt aus und ich enttäuscht zurück.

Die Voraussetzungen für die zunächst 8-teilige Serie waren eigentlich großartig und auch der Stil, der„Peaky Blinders” auszeichnet, findet sich in der Serie wieder. Visuell ist „House of Guinness” nichts vorzuwerfen, es gibt einige spannende inszenatorische Ideen und Kniffe und auch die Schauspieler sind überwiegend okay bis gut. Nach einem expositionshaltigen Beginn driftet die Handlung allerdings nach einer ganz guten 3. Folge völlig in die Schmonzette ab. Wen kann man heiraten? Muss es jemand von der Liste sein? Aus welchen Gründen wird geheiratet? Wie vertuscht man die Homosexualität? Darf die Frau dann auch einen anderen Mann nebenher haben? Was, wenn sich Gefühle und mehr entwickeln? Und wie viel hat die eigentlich zukunftsgewandte Frau am Ende zu sagen? Dann lauert unter allem nach der theoretisch interessante Handlungsstrang der irischen Unabhängigkeit, der allerdings lange auch nur dafür da zu sein scheint eine weitere Liebschaft groß aufzubauen und auszuerzählen… Alles dreht sich nur um die Kids und wie sie ihr Liebesleben gestalten, während sie sich gerne mal streiten. Somit wird die Serie spätestens ab Folge 4 zum Groschenroman und findet erst mit dem Wahlkampf in der letzten Episode wieder an einen interessanten Punkt, nur um dann schwach auf einem Cliffhanger zu enden.

„House of Guinness” ist visuell und inszenatorisch überzeugend, doch die Handlung erreicht leider nur selten ein hohes Niveau. Eines meiner Highlights war der interessante Storystrang rund um die USA und die Expansion dort. Doch leider fällt dieser zu kurz aus, dennoch freute ich mich Jack Gleeson (König Joffrey, „Game of Thrones”) mal wieder zu sehen. Er kann es immer noch, wie man in der Szene sieht, wo er jemanden einschüchtert. 

Vielleicht wurde „House of Guinness” ein Opfer meiner falschen Erwartungen. Ich hätte mir definitiv weniger Liebe und mehr Action, mehr Rivalitäten, mehr irischen Unabhängigkeitskampf und mehr Unternehmensleitung gewünscht. So wirkt die Story arg eingefahren und es fehlt Tiefe. Auf der positiven Seite fokussiert sich die Handlung vollends auf ihre Charaktere, die man zumindest teilweise durchaus mögen kann. Mir war es letztlich zu wenig und ich vermute, dass auch reine Schmonzetten-Fans nicht ganz auf ihre Kosten kommen werden. 

Das alles klingt schlechter als die Serie ist, da vor allem die Enttäuschung aus mir spricht. Letztlich ist „House of Guinness” eine Historiendrama-Serie, die Liebschaften und Familiendrama in den Vordergrund stellt und weniger ein gelungenes Zeitportrait liefert als „Peaky Blinders”. Generell erreicht es nur visuell die Klasse des offensichtlichen Vergleichswerks. Dennoch ist „House of Guinness” keine Vollkatastrophe und hat seine Stärken, doch weiterschauen werde ich wohl nicht.

73/100
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