„Generation Kill” ist eine 7-teilige HBO Miniserie über die US-amerikanische Invasion in den Irak 2003. Die Serie basiert auf Evan Wrights gleichnamigen Buch von 2004. Wright war damals als „embedded journalist”, als Kriegsberichterstatter, der hautnah dabei war und sich in die Gruppe integrierte, Teil der 1. Aufklärungstruppe der US-Marines. Die Handlung folgt den Soldaten von der Grenze zwischen dem Irak und Kuwait bis nach Bagdad und bleibt stets bei ihnen und ihren Vorgesetzten, es gibt keinen einordnenden, übergeordneten Blick auf die Geschehnisse, die Erzählperspektive wechselt nicht. Das führt zu einer großen Authentizität, wobei die dargestellte Realität alles andere als angenehm ist.
Eine Triggerwarnung gibt es für die typischen Kriegsthemen: Es gibt Blut, viele Leichen und fiese Sprüche. Die Serie ist manchmal schwer anzusehen, vor allem aufgrund des Verhaltens der Soldaten, aber auch aufgrund einiger verstörender Bilder. Die teure Miniserie, der man ansieht, dass sie tatsächlich in einem Irak-ähnlichen Terrain gedreht wurde, stammt aus der Feder von Ed Burns und David Simon, den „The Wire”-Machern. Deshalb spürt man die Liebe zum Detail und das atmosphärisch dichte, aber eher langsamere Erzähltempo führt dazu, dass man sich irgendwann fast selbst wie ein Teil der Truppe fühlt. Wäre diese doch bloß nicht so schwer erträglich… Testosterongeschwängerte Typen, die es gar nicht erwarten können in den Krieg zu ziehen, schief Popmusik der 2000er singen, ständig über Masturbation sinnieren und sich untereinander permanent streiten. Das ist zwar alles (wohl) authentisch, aber auch anstrengend. Die Schauspieler sind allerdings alle sehr gut, das Highlight ist sicherlich Alexander Skarsgård, aber der ganze Cast ist glaubwürdig und sorgt für eine gelungene Immersion.
Die Frage ist nur, ob man so gerne hineingezogen wird. Denn mir fiel es schwer mitanzusehen, dass der Krieg hier so wahnsinnig positiv aufgefasst wird, diese Soldaten wirklich fürs Töten leben. „Generation Kill” ist kein „Band of Brothers” oder Filme über den Vietnamkrieg, wo ein aufkommender Kriegs-Enthusiasmus zu Kriegsbeginn sich später in Verzweiflung verwandelt. Stattdessen wurde der Krieg eben schnell „gewonnen”, die Jungs können gar nicht genug von Feuergefechten kriegen und fühlen sich stets übergangen oder fehl am Platz, wenn sie keine Menschen erschießen dürfen. Häufig werden auf dem Papier unsinnige Entscheidungen von Vorgesetzten getroffen, um sich Orden oder Anerkennung für Beförderungen und die eigene Karriere zu verdienen, statt die Sicherheit der eigenen Soldaten und das Verhindern von zivilen Opfern an oberste Stelle zu stellen. Während andere Werke gut den „Antikriegsfilm” repräsentieren, gelingt das in „Generation Kill” nicht über den Großteil der Figuren, sondern primär über die Bilder und die häufigen Entscheidungen der US-Armee Zivilisten wegzubomben, weil man sich nicht auf die Aufklärung verlässt oder es Kommunikationsprobleme gibt. Dennoch geht es danach schnell weiter, die Autorität hat schließlich gesprochen und dem ist Folge zu leisten – die Szenen, wo dem bewusst widersprochen/sich widersetzt wird, waren für mich die stärksten.
Das alles möchte ich der Serie allerdings ausdrücklich nicht ankreiden. Sie ist durch den „embedded” Reporter authentisch und dadurch besonders glaubwürdig. Generell habe ich andere Anforderungen der „Unterhaltung” an Werke über Kriege als an andere Filme. Doch hier wuchs mit zunehmender Zeit meine Distanz zu den Figuren, weil ich kaum jemanden sympathisch fand. Dennoch ist die Miniserie eine hervorragende Illustration einer Generation von Soldaten, die nicht mehr von Vietnam und anderen Misserfolgen geprägt ist, sondern von Blutdurst und dem Hang, sich einen Namen zu machen. Dieser Wechsel in der Gedankenwelt wird großartig dargestellt.
„Generation Kill” gelingt damit letztlich genau das, was die Miniserie erreichen möchte. Die Handlung ist eine authentische Nacherzählung einer Invasion, die möglichst nah an den Soldaten bleibt und eine gewisse Weitsicht (z.B. ob man als Befreier oder Besatzer wahrgenommen wird, ob es Massenvernichtungswaffen gibt) immer nur kurz andeutet. Stattdessen werden schnell die nächsten Probleme innerhalb der Truppe verhandelt oder es werden neue (unsinnige) Befehle erteilt, die sich ständig ändern, weil die Führung recht planlos wirkt. Zusammenfassend kann man „Generation Kill” wenig vorwerfen, ich war aber nie so beeindruckt wie von „Band of Brothers”. Vermutlich auch, weil ich bei einem Kriegsfilm die „leidende Komponente” etwas direkter benötige, um voll involviert zu sein.



